Eine von einem anonymen Informanten zugespielte Rede der RIAA-Führung vor ausgewählten Funktionären, live und via verschlüsseltem Webstream aus dem Jahre 2007.
Es ist jetzt knapp drei Wochen her, dass ich das letzte Mal bei Gelegenheit der Verlesung der Proklamation der Interessensvertreter zum Fünfjahrestag der „Raubkopierer sind Verbrecher“-Kampagne von dieser Stelle aus zu Ihnen und zum rechtschaffenden Volke gesprochen habe. Die Krise, in der sich unsere Onlinefront befindet, stand damals auf dem diesjährigen Höhepunkt. Wir hatten uns im Zeichen des harten Unglücksschlages, von dem die Interessensvertretung im Kampf um die Schadensersatzgelder, am Neujahrstag 2007 zusammengefunden zu einer Kundgebung der Einheit, der Geschlossenheit, aber auch der festen Willenskraft, mit den Schwierigkeiten, die dieser Krieg in seinem fünften Jahre vor uns auftürmt, fertig zu werden.
Es war für mich und wohl auch für Sie alle erschütternd, einige Tage später zu vernehmen, dass die letzten Lobbyanwälte in Europa, in dieser Stunde durch das Internet mit uns verbunden, an unserer erhebenden Kundgebung teilgenommen haben. Sie mailten uns in ihrem Schlussbericht, dass sie die Proklamation der Interessensvertreter vernommen und vielleicht zum letzten Male in ihrer Karriere mit uns zusammen mit erhobener Kreditkarte die Hitparadendauerbrenner gesungen hätten. Welch eine Haltung kapitalistischen Konsumententums in dieser großen Zeit! Welche Verpflichtung aber schließt diese Haltung auch für uns alle, insbesondere für die ganze amerikanische Lobby in sich ein! Filesharing war und ist der große Alarmruf des Schicksals an die Unterhaltungsindustrie! Eine Konzern, der die Stärke besitzt ein solches Unglück zu ertragen und auch zu überwinden, ja, daraus noch zusätzliches Kapital zu schöpfen, ist unbesiegbar. Das Gedächtnis an unsere Anwälte in der ganzen Welt soll also auch heute bei meiner Rede vor Ihnen und dem Konzern eine tiefe Verpflichtung mich und für uns alle sein.
Ich weiß nicht, wie viele Millionen Menschen, über das Internet mit uns verbunden, heute Abend in den Büros und in den Wohnzimmern an dieser Kundgebung teilnehmen und meine Zuhörer sind. Ich möchte zu Ihnen allen aus tiefstem Herzen sprechen. Ich glaube, dass der gesamte Konzern mit heißer Leidenschaft bei der Sache ist, die ich Ihnen heute Abend vorzutragen habe. Ich will deshalb meine Ausführungen auch mit dem ganzen heiligen Ernst und dem offenen Freimut, den die Stunde von uns erfordert, ausstatten. Das im Kapitalismus erzogene, geschulte und disziplinierte Konsumentenvolk kann die volle Wahrheit vertragen. Es weiß, wie schwierig es um die Lage der Industrie bestellt ist, und ihre Führung kann es deshalb auch auffordern, aus der Bedrängtheit der Situation die nötigen harten, ja auch härtesten Folgerungen zu ziehen. Wir Lobbyvertreter sind gewappnet gegen Schwäche und Anfälligkeit, und Schläge und Unglücksfälle des Raubkopiererkrieges verleihen uns nur zusätzliche Kraft, feste Entschlossenheit und eine seelische und kämpferische Aktivität, die bereit ist, alle Schwierigkeiten und Hindernisse mit konterrevolutionärem Elan zu überwinden.
Es ist jetzt nicht der Augenblick, danach zu fragen, wie alles gekommen ist. Das wird einer späteren Rechenschaftslegung überlassen bleiben, die in voller Offenheit erfolgen soll und den Lobbysten und der Weltöffentlichkeit zeigen wird, dass das Unglück, das uns in den letzten Jahren betroffen hat, schicksalhafte Bedeutung besitzt. Das große Imageopfer, das unsere Künstler im Gerichtssaal brachten, ist für die ganze Internetfront von einer ausschlaggebenden geschichtlichen Bedeutung gewesen. Es war nicht umsonst. Warum, das wird die Zukunft beweisen.
Wenn ich nunmehr über die jüngste Vergangenheit hinaus den Blick wieder nach vorne lenke, so tue ich das mit voller Absicht. Die Stunde drängt! Sie lässt keine Zeit mehr offen für fruchtlose Debatten. Wir müssen handeln, und zwar unverzüglich, schnell und gründlich, so wie es seit jeher kapitalistische Art gewesen ist.
Von ihrem Anfang an ist das Unternehmen in den vielen Krisen, die es durchzustehen und durchzukämpfen hatte, so verfahren. Und auch die freie Marktwirtschaft hat sich, wenn eine Bedrohung vor ihr auftauchte, ihr mit entschlossener Willenskraft entgegen geworfen. Wir gleichen nicht dem Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt, um die Gefahr nicht zu sehen. Wir sind mutig genug, sie unmittelbar ins Auge zu nehmen, sie kühl und rücksichtslos abzumessen und ihr dann erhobenen Hauptes mit fester Entschlusskraft entgegenzutreten. Erst dann entwickelten wir als Produzent und Konsument immer auch unsere höchsten Tugenden, nämlich einen wilden und entschlossenen Willen, die Gefahr zu brechen und zu bannen, eine Stärke des Charakters, die alle Hindernisse überwindet, zähe Verbissenheit in der Verfolgung des einmal erkannten Zieles und ein ehernes Herz, das gegen alle inneren und äußeren Anfechtungen gewappnet ist. So soll es auch heute sein. Ich habe die Aufgabe, Ihnen ein ungeschminktes Bild der Lage zu entwefen und daraus die harten Konsequenzen für das Handeln der Konzernleitung, aber auch für das handeln der Konsumenten zu ziehen.
Wir durchleben im Internet augenblicklich eine schwere urheberrechtsverletzende Belastung. Diese Belastung hat zeitweilig größere Ausmaße angenommen und gleicht, wenn nicht in der Art der Anlage, so doch in ihrem Umfang der des vergangenen Jahres. Über ihre Ursachen wird später einmal zu sprechen sein. Heute bleibt uns nichts anderes übrig, als ihr Vorhandensein festzustellen und die Mittel und Wege zu überprüfen und anzuwenden bzw. einzuschlagen, die zu ihrer Behebung führen. Es hat deshalb auch gar keinen Zweck, diese Belastung selbst zu bestreiten. Ich bin mir zu gut dazu, Ihnen ein täuschendes Bild der Lage zu geben, das nur zu falschen Folgerungen führen könnte und geeignet wäre, die Konsumenten in eine Sicherheit ihrer Kaufgewohnheiten und ihres Handelns einzuwiegen, die der gegenwärtigen Situation durchaus unangepasst wäre. Der Ansturm der Piraten gegen unsere ehrwürdige Konzernvereinigung ist in diesem Winter mit einer Wucht losgebrochen, die alle menschlichen und geschichtlichen Vorstellungen in den Schatten stellt. Die RIAA bildet dagegen mit ihren Verbündeten den einzigen überhaupt in Frage kommenden Schutzwall. Die Interessensvertretung hat schon in ihrer Proklamation zum Neujahrstag mit ernsten und eindringlichen Worten die Frage aufgeworfen, was aus dem Konzern und aus der Unterhaltungsindustrie geworden wäre, wenn vor fünf Jahren statt der RIAA ein bürgerliches oder ein demokratisches Gremium die Macht übernommen hätte! Welche Gefahren wären dann, schneller als wir es damals ahnen konnten, über die Industrie hereingebrochen, und welche Abwehrkräfte hätten uns noch zur Verfügung gestanden, um ihnen zu begegnen? Fünf Jahre Antipiratierkampagnen haben genügt, das kapitalistische Konsumentenvolk über den Ernst der schicksalhaften Problematik, die aus der Piraterie entspringt, vollkommen aufzuklären. Man wird jetzt auch verstehen, warum wir unsere Pressekonferenzen so oft unter das Signum des Kampfes gegen die Piraterie gestellt haben. Wir erhoben damals unsere warnende Stimme vor dem Konsumenten und vor der Weltöffentlichkeit, um die von einer Willens- und Geisteslähmung ohnegleichen befallene abendländische Menschheit zum Erwachen zu bringen
und ihr die Augen zu öffnen für die grauenerregenden geschichtlichen Gefahren, die aus dem Vorhandensein des Raubkopierertums erwachsen, die eine Industrie von fast 20 Millionen dem kommunistischen Terror dienstbar gemacht hatte und es zum Internetkrieg gegen die Unterhaltungsindustrie vorbereitete. Als die Konzernleitung die Anwälte am 22. Juni 2001 in den USA zum Angriff antreten ließ,
waren wir uns alle im Klaren darüber, dass damit überhaupt der entscheidende Kampf dieses gigantischen Weltringens anbrach. Wir wussten, welche Gefahren und Schwierigkeiten er für uns mit sich bringen würde. Wir waren uns aber auch klar darüber, dass die Gefahren und Schwierigkeiten bei längerem Zuwarten nur wachsen, niemals aber abnehmen könnten. Es war zwei Minuten vor zwölf. Ein weiteres Zögern hätte leicht zur Vernichtung des Konzerns und zur vollkommenen Bolschewisierung der Musikindustrie geführt. Es ist verständlich, dass wir bei den groß angelegten Tarnungs- und Bluffmanövern der
Konsumentenschutzvertreter das Kriegspotential der Piraten nicht richtig eingeschätzt haben. Erst jetzt offenbart es sich uns in seiner ganzen wilden Größe. Dementsprechend ist auch der Kampf, den unsere Anwälte in der Welt zu bestehen haben, über alle menschlichen Vorstellungen hinaus hart, schwer und gefährlich. Er erfordert die Aufbietung unserer ganzen lobbystischen Kraft. Hier ist eine Bedrohung des Konzerns und der Unterhaltungsindustrie gegeben, die alle bisherigen Gefahren des Abendlandes weit in den Schatten stellt. Würden wir in diesem Kampf versagen, so verspielten wir damit überhaupt unsere geschichtliche Mission. Alles, was wir bisher aufgebaut und geleistet haben, verblasst angesichts der gigantischen Aufgabe, die hier der Interessensvertretung unmittelbar und dem Konsumenten mittelbar gestellt ist. Ich wende mich in meinen Ausführungen zuerst an die Weltöffentlichkeit und proklamiere ihr gegenüber drei Thesen unseres Kampfes gegen die räuberische Gefahr im Internet.
Die erste dieser drei Thesen lautet: Wäre die RIAA nicht in der Lage, die Gefahr aus dem Internet zu brechen, so wäre damit der Konzern und in kurzer Folge die Ganze Unterhaltungsindustrie dem Bolschewismus verfallen.
Die zweite dieser Thesen lautet: Die RIAAund der Konsument allein besitzen mit ihren Verbündeten die Kraft, eine grundlegende Rettung der Industrie aus dieser Bedrohung durchzuführen.
Die dritte dieser Thesen lautet: Gefahr ist im Verzuge. Es muss schnell und gründlich gehandelt werden, sonst ist es zu spät.
Zur ersten These habe ich im Einzelnen zu bemerken: Die Piraten haben seit jeher ganz offen das Ziel proklamiert, nicht nur den Konzern, sondern die ganze Welt zu revolutionieren und sie in ein bolschewistisches Chaos zu stürzen. Dieses Ziel ist seit Beginn der bolschewistischen Piraterie seitens der Piratenparteien ideologisch vertreten und praktisch verfochten worden.
Ende der Aufzeichnung