20090601

Ueber de Verdunkelungspflicht

Windräder. Überall am Horizont ragen Windräder in den wolkenlosen, blauen Himmel. Sie stehen auf immergrünen Hügeln, die sich ihrerseits zwischen bestellten Feldern erheben. Die Räder drehen sich synchron in einer unmöglichen Geschwindigkeit, man könnte fast meinen, jemand träumt im Zeitraffer. Ich fahre gen Osten. Erneut überschreite ich die Schengen-Grenze nicht nur in ein anderes Land, sondern auch in ein anderes Lebensgefühl. Als ich die verlassene Grenzstation passierte, in einer losen Karawane alter Sattelsschlepper, taten sich nach wenigen Kilometern bereits die ersten sozialistischen Plattenbauten auf. Bratislava war zum greifen nahe.

Der erste Zug einer eben angezündeten französischen Zigarette saugt sich sanft meinen Hals hinab, mein Hirn reagiert sofort und sendet "Entspannung". Beim Einfahren in die Stadt über braun-graue Straßen erblicke ich Plakatwände mit vertrauten Sujets, in einer Sprache, die ich nicht verstehe und sofort setzt ein Gefühl der Ruhe in mir ein. So oft wünschte ich mir, ich müsste nicht verstehen, was an all den Wänden steht. Es interessiert mich nicht. Hier geht mein Traum in Erfüllung. Ich darf ignorieren.

Zu meiner Linken, hinter einigen heruntergekommenen Einfamilienhäusern mit schwarzen Fenstern erhebt sich ein kleiner Berg auf dem etwas steht, dass mich wage an einen Sendeturm erinnert. Dieses Gebäude, dieser Anblick ist wundervoll. Alles hier hat diesen Charme des Vergangenen. Passiert man die Grenze des deutschen Sprachraums nach Osten hin, ist es, als würde man eine verfallene Gruft öffnen. Ich fühle mich sozial nekrophil.

Der Himmel hat zugezogen und als ich die Innenstadt wie ein Trabant umkreiste, auf der Suche nach einem Parkplatz, beginnt es leicht zu regnen. Ich weiss nicht wieso, aber ich weigerte mich, die Scheibenwischer anzustellen und starrte lieber durch einen Raster aus Regentropfen nach einer Lücke am Straßenrand. Immer wieder Blicke ich hoch zur Burg, wenn ich an der Ampel stand, überlegte, ob ich nicht hinaufgehen sollte. Ich fuhr die nächste Möglichkeit links ab und steuerte auf die Donau zu. Bei der nächsten Ampel bog ich links ab und fuhr parallel gegen den Strom des Wassers, bis ich nach einigen Metern eine wenig vertrauenserweckende Möglichkeit entdeckte, mein Auto abzustellen. Der "Parkplatz" sieht aus wie eine Baustelle; als Tor dient ein verbogenes Baustellengitter. Vorne, weit weg von den vier hier abgestellten Fahrzeugen stand ein winziger Wohnwagen, der seinerseits nicht an einem Auto hing und aus genau diesem kam ein Mann gehobenen Alters und schritt behäbig auf meinen Wagen zu. Er deutet stumm auf ein Kartonschild, welches an der halbgeschlossenen Tür des weißen Wohnwagenanhängers angeklebt ist, welchem ich die Tarife entnehmen konnte. Oder besser gesagt, "den Tarif", denn er verlangte pro Stunde zwei Euro. Ich fahre den Wagen gerade an das Ende der "Parkfläche" vor einen durchnässten Haufen Sand, stelle den Motor ab, nehme meine Tasche vom Beifahrersitz und steige aus. Der alte Mann steht immer noch regungslos neben dem Gitter und starrt ins Leere. Sein halblanges, gewelltes graues Haar weht wenig romantisch über sein Gesicht, seine abgetragene Jeansjacke hängt wie ein Kadaver offen an seinen Schultern. Als ich an ihm vorbeigehe, drücke ich ihm genug Geld für 24 Stunden in die Hand und verlasse seine kleine Welt in schnellen Schritten.

Es ist kalt und während mein Blick über die breite, mehrspurige Straße samt Straßenbahnschienen hinüber ans andere Donauufer gleitet, zünde ich mir erneut eine Zigarette an. Ich plane, während ich beiläufig und fest am Tabak ziehe, die weiteren Schritte. Mein erster Weg führt mich über die Straße, einige Meter am Ufer entlang in Richtung eines Hotels. Man geht an einem massiven steinernen Geländer, auf welches Hakenkreuze gesprayed wurden entlang, bis man einen Holzsteg zu einem fest verankertem Schiff kommt, welches als Hotel dient. Kurz vor der Tür aus lackiertem, dunklen Holz mit Glasscheiben und goldenen Griffen lasse ich die halbgerauchte Zigarette fallen und betrete das "Botel". Der Boden ist aus Marmor, ob echt oder imitiert kann ich nicht sagen. In der Mitte des Raumes steht eine alte Ledergarnitur mit Messingbeschlägen und neben der Tür läuft ein alter Röhrenfernseher, welcher eine lokale Gameshow mit meheren Kandidaten zeigt, welche nach dem Konkurrenzverfahren für Geld fragen beantworten müssen. Überall in dieser Sendung sieht man sich drehende Zahnräder. Sofort denke ich wieder an die Hakenkreuze draussen. Die junge Dame hinter der mannshohen Rezeption ist in ein Telefongespräch vertieft, welches eindeutig privat geführt wird. Ich verstehe kein Wort und bin durchaus glücklich über diesen Umstand. Langsam gehe ich auf sie zu und bleibe dann vor ihrer Box stehen und versuche nicht hektisch auszusehen. Ich drehe mich um und schaue den Fernseher an, wo jetzt Werbung für die deutsche Telekon läuft. Die Besatzung ist also doch noch nicht ganz vorbei. Nach einer gefühlten Minute höre ich, wie das Telefon aufgelegt wird und ich vermute, dass die junge Frau mich anspricht. Ich drehe mich um und wirke dabei erschrocken, obwohl ich es garnicht bin. Ich gebe ihr in perfektem US-Fernsehenglisch zu verstehen, dass ich die indigene Sprache weder verstehe noch spreche; sie nickt freundlich und quittiert meine Frage nach einem Zimmer für die Nacht mit einem immer noch freundlichem nicken, welchem ein schwammig kopiertes Stück Papier folgt, welches ich offenbar mit dem bereitliegenden Kugelschreiber der Marke Bic ausfüllen soll. Darauf werde ich nach meinem Namen gefragt, meiner Wohnadresse, Passnummer sowie dem Zweck meines Aufenthalts. Ich gebe beliebige Daten an und Schreibe beim Aufenthaltszweck "Sextourism"; drehe den Zettel um und schiebe ihn mit ausdruckslosem Gesicht meiner neuen Geschäftsbekanntschaft zurück, welche einen kurzen, ausdruckslosen Blick darüberlaufen lässt, um mir dann einen Schlüssel zu überreichen, der an einem Butt-Plug-artigem Holzstück hängt, auf dem die Zimmernummer "2" aufgedruckt ist. Ich bedanke mich höflich und verschwinde im engen Gang drei Schritte weiter, um die erste Tür auf der rechten Seite aufzusperren und nach dem Betreten wieder zu verschliessen.

Dieses Zimmer ist winzig und hat zwei Betten. Das Badezimmer besteht aus einem Waschbecken so groß wie ein Aschenbecher, einem Duschvorhang sowie einer Toilette ohne Deckel. Vor einem der beiden Betten steht ein Minifernseher des Herstellers "Tesla" samt Fernbedienung. Zwischen den Betten ist ein Tisch an die Holzverkleidung montiert, darauf liegt eine kleine Tischdecke und ein Telefon. Davor steht ein Holzstuhl, dessen Polsterung mit einem asiatischen Muster geschmückt ist. Mich lässt der Verdacht nicht los, dass dieser Stuhl einst in einem chinesischem Restaurant im 14. Wiener Gemeindebezirk stand. Ich stelle meine Tasche auf den Boden, ziehe meine Flecktarnjacke aus, hänge diese über den Sessel und setze mich selbst auf das rechte der beiden Betten. Bis auf eine Höhe von etwa andernhalb Metern ist der gesamte Raum mit dunklem, lackierten Holz verkleidet. Die Deckenlampe spendet nur schwaches, orange-gelbes Licht und das A4-große Fenster ist mit einem beigen Vorhang, welcher bestimmt einmal eine Serviette war, mehr oder weniger Lichtdicht verhangen. Vorsichtig erahnt man das graublaue Licht des sich verabschiedenden Tages. Die Betten sind im Grunde genommen auch nur zwei Matratzen samt Decke und Polster, welche auf einer Erhebung des weinroten Teppichbodens liegen, diese nicht ganz ausfüllen und selbstverständlich strahlend Weiß bezogen sind.

Dieser Raum depremiert mich unendlich und deshalb fühle ich mich unglaublich wohl darin. Er ist wie ein Sarg; nahezu lautlos, dumpf, die Luft abgestanden und nicht ein einziger Millimeter erinnert an Leben. Langsam komme ich in Stimmung. Wieder sauge ich an einer glühenden Zigarette, schließe die Augen und plane erneut. Ich habe Lust. Auf all die Dinge, über die man nicht spricht. Ich bin nichtmal deshalb hier; eigentlich bin ich vollkommen ohne Grund hier, aber ich bin hier und habe soeben beschlossen, warum. Ich greife in die Brusttasche meiner Jacke und ziehe ein Plastikpäckchen heraus, werfe es auf den Tisch, betrachte den weißen, pulvrigen Inhalt. Mangels eines Aschenbechers sehe ich mich gezwungen, aufzustehen und die heruntergebrannte Zigarette ins Klo zu werfen. Ich spüle nicht runter. Der Inhalt des Päckchen wird weniger. Ich bin bereit auszugehen.

Ich weiss nicht, wie genau ich hier her gekommen bin, aber ich finde mich auf einem Hauptplatz voller kleiner Hütten wieder, an dessen Ende eine Bühne aufgebaut wurde, flankiert von einem ungeschmückten Weihnachtsbaum. Der Duft von Alkohol und gebratenem Fleisch liegt in der frostigen Luft und ich dränge mich angewidert durch die Menge. Beiläufig vernehme ich erstaunt eine erschreckend hohe Anzahl von deutschen Worten, österreichische und preussische Dialekte. Ich versuche nicht hinzuhören. Ich will nichts hören. Unbewusst denke ich an Selbstmordattentäter, verdächtige jeden, ein solcher zu sein. Ich bettle fast schon darum, dass unter irgendeiner der Gore-Tex-Jacken ein Sprengstoffgürtel versteckt ist, welcher mit besten Grüßen von Gott gezündet wird, um diesem Trauerspiel ein gebührendes Ende zu bereiten. All die Farben vermischen sich zu einem unrealistischen Brei, ich höre Stimmen, Worte ohne Sinn und Bedeutung und Musik, die sich aus viel zu kleinen Lautsprechern quält, quäkend und penetrant wie die Sirenen eines Luftangriffs. Wieder waren die Bilder da, diesmal wurde die Musik zum Preifen von Sturzkampfbombern und ihrer Ladung, der Trommelschlag zur Detonation, die Farben wurden Blut und die Stimmen Schreie. Ich bleibe stehen, erstarre und ringe um meine Fassung. Stehe nun vor einem Denkmal. Ich erkenne ein Denkmal der Roten Armee, wenn ich es sehe und reisse sofort meinen rechten Arm hoch.

Blitze vor meinen Augen. Ich erinnere mich nicht. Ich stehe in einer Toilettenkabine und habe eine weiße Linie quer über Spülkasten gelegt, bereit, sie in mich hineinzusaugen. Neben mir steht ein Mädchen, vielleicht 20 Jahre alt, vielleicht auch erst 16. Von draußen her spüre ich den Bass der elektronischen Chartmusik und Mädchen schaut mich an, irgendwo zwischen neugierig und flehend. Also lasse ich ihr den Vortritt. Nach einigen Minuten und mehreren unverständlichen Worten ihrerseits gehen wir wieder hinaus und betreten einen dunklen Raum, der durch Lichtblitze und Scheinwerfer erhellt wird. Mädchen sieht aus wie eine Drogenprostituierte. Ihrem Appettit auf der Toilette nach zu urteilen, hat sie zumindest schon die eine oder andere Erfahrung auf diesem Gebiet gemacht. Sie geht zu einem Tisch, auf dem zwei halbleere Flaschen Bier stehen sowie eine leere Flasche Wodka. Wir nehmen gleichzeitig je eine Flasche, sie versucht ungeschickt mit mir anzustoßen und steckt sich den halben Flaschenhals in den Mund, was sofort eine gewaltige Erwartungshaltung in mir auslöst. Ich weiß nicht, wann ich sie kennengelernt habe. Oder wie wir kommunizieren. Ob wir überhaupt kommunizieren. Hin und wieder sagt sie etwas, das könnte sie aber auch genau so gut zu sich selbst sagen. Wir verstehen uns einfach. Ihre Blicke machen mich wahnsinnig vor Erregung. Ich werde des Etablisments überdrüssig und zeige ihr meinen Zimmerschlüssel. Sie lacht laut, sagt irgendwas und schon sind wir am Weg nach draussen. Ich habe keine Ahnung wo wir sind, gehe in eine belibige Richtung. Ich erinnere mich wieder, irgendwann einen Cocktail bestellt zu haben. Einen "Sex on the Beach". Die Kellnerin vernahm im Lärm den Namen nicht richtig und rief mir laut "SEEEX?!" entgegen, was ich mit "Yeah, c'mon!" beantwortete. Mädchen klammert sich an meinen Arm, wirkt stark benommen. Ich fühle mich diesem Zustand verbunden und taumle offensichtlich gleich wie sie. Die Welt ist unscharf, verschwommen, wie ein verwackeltes Foto. Aber da scheiß ich drauf. Heute existieren nur wir beide.

Die Nacht ist bewölkt und schwarz. Die Straßenlaternen sind ähnlich potent wie die Beleuchtung in meinem Hotelzimmer und können dem Nebel kaum etwas anhaben. Wir taumeln durch die Gassen der Altstadt und begegnen hin und wieder Pärchen in einem ähnlichen Zustand oder einsamen Männern, die mich mit jeder Faser ihres Körpers hassen, für das, was ich tun werde. Irgendwann nach einer undefinierten Zeitspanne erreichen wir mein Hotel. An der Rezeption sitzt ein junger Mann, von einer Stiege kommt ein Mann mittleren Alters indischer Herkunft herunter. Ich ignoriere die Blicke beider und bringe Mädchen in mein Zimmer. Während ich aus meinen Schuhen schlüpfe setzt sie sich aufs linke Bett und sehe sie zum ersten Mal in ruhigem Licht. Sie ist hübsch. Ich setze mich zu ihr und küsse sie innig.

Von weit her kommen Sirenen. Ich höre in meinem Kopf Musik, so wunderschön, als würden mir die Engel Gottes singen. Ich wälze mich hin und her, mein Körper fühlt sich riesig an, jeder Gedanke braucht ein Jahrhundert um sich zu manifestieren und noch eines mehr, bis ich ihn verstanden habe. Ich fühle mich warm und taub. Ich bin nackt, der Raum ist viel zu warm und jetzt vernehme ich kein Geräusch. Ich realisiere nicht. Ich existiere nicht. Ich bin eins mit dem Raum, eins mit der Wärme, eins mit dem Wesen, welches im anderen Bett liegt. Ich sehe vor meinen geschlossenen Augen Blitze. Bunte Farbbälle, die mein inneres Auge blenden. Meine Finger bewegen sich langsam, sie greifen ins Leere, zucken wie ein Insekt, dass am Rücken liegt. Ich leuchte.

Meine Augen öffnen sich und ich erblicke die trostlose, weißgelbe Decke meines Hotelzimmers, in dem die Heizung offensichtlich auf "Rettet unsere Männer in Stalingrad!" gestellt ist. Ich bin nackt. Langsam setze ich mich auf und bemerke als erstes die dröhnenden Kopfschmerzen. Als nächstes die nackte Frau, eher das nackte Mädchen am gegenüberliegenden Bett. Sie ist ein wunderschöner Anblick. Ich liebe sie. Ich greife in die Tasche meiner am Boden liegenden Hose, ziehe mein Telefon heraus und stelle fest, dass es halb Neun Sonntags ist. Sofort zünde ich mir eine Zigarette an und gehe richtung Dusche, oder zumindest hinter den Duschvorhang. Mit der Zigarette in den Mundwinkeln stelle ich die Brause an, welche auf Brusthöhe hängt und lasse mich von nicht ganz lauwarmen Wasser abschwemmen, in der Hoffnung, irgendwie wieder Anschluss zur Realität zu finden. Das Bad füllt sich mit Rauch und irgendwann spucke ich den Filter in die Toilette neben die Reste der Zigarette von gestern. Ich stelle das Wasser ab, setze mich auf die Toilette und lasse der Natur freien Lauf. Der Kontrast dieses Raumes zum restlichen Zimmer ist mir erst jetzt bewusst geworden. Hier beleuchtete eine gigantische Neonröhre, die womöglich einem Solarium entnommen wurde, einen strahlend weißen Raum, in dem sich ein ausgewachsener Mensch kaum umdrehen kann. Ich stehe auf, spüle runter und gehe wieder raus, ohne das Licht abzuschalten oder die Tür zu schließen. Meine Finger fischen die nächste Zigarette aus der Softpackung, ich setze mich an "mein" Bett, betrachte das Mädchen, stecke mir die Zigarette in den Mund ohne sie anzuzünden und stelle mir die kritische Frage:

"Lasse ich sie am Leben?"

20090419

Tuol Svay Prey

23.5.1976, Dëuch, Phnom Penh, 103. Straße. Auf einem Holzstuhl vor neben einer massiven Metalltür, über der eine riesige, runde Uhr hängt, sitzt ein namenloser Revolutionär und raucht eine Zigarette. Aus dem Raum vernimmt man leises wimmern, gefolgt von elektrischen Geräuschen und rasselndem Metall.


Namenloser Revolutionär: (hört einen etwa fünfsekündigen Stromschlag) „Ach, wieso müssen sie immer lügen? Kann er denn nicht einfach die Wahrheit sagen?“


Von Innen klopft jemand gegen die Tür. Der namenlose Revolutionär lässt die halb heruntergebrannte Zigarette fallen, nimmt die Machete von seinem Schoß, lehnt sie gegen die Wand und steht auf.


Stimme hinter der Tür: (klopft erneut gegen die Tür) „Komm schon, mach auf! Worauf wartest du denn? Mach auf!“


Der namenlose Revolutionär steckt einen rostigen Schlüssel in das Schloß und dreht ihn angestrengt einmal um, woraufhin die Tür von Innen aufgedrückt wird. Ein vollkommen ident aussehender Mann, mit einer grünen Feldkappe in der Hand, wischt sich mit dem Jackenärmel den Schweiß von der Stirn.


Identer Revolutionär: „Eine Sauerei, jedesmal eine Sauerei ... verdammte Studenten ... verdammte Studenten ... verdammte ...“

Namenloser Revolutionär: „Ja, diese verdammten Lügner ... können sich einfach nicht anpassen.“

Identer Revolutionär: „Nicht anpassen, ja, du sagst es ... nicht anpassen ...“


Der namenlose Revolutionär bietet seinem Ebenbild eine Zigarette an. Dieser nimmt sie sie wortlos entgegen. Der namenlose Revolutionär entzündet ein Streichholz und hält die Flamme unter die Zigarette. Der idente Revolutionär zieht und bläst gleichzeitig, als würde er eine Zigarre anstecken und sein Kopf in einer Wolke steht. Der namenlose Revolutionär blickt dann auf die riesige Wanduhr.


Namenloser Revolutionär: „Du bist hinten nach. Hast heute erst neun erledigt.“

Identer Revolutionär: (ausfallend) „Was soll ich denn machen?! Ich kann mich nicht vierteilen!“

Namenloser Revolutionär: „Schon gut, mich stört es ja nicht ... Duch sollte es nicht hören ... du weißt ja, wie er ist.“

Identer Revolutionär: (nickt) „Ich werde den Wochenplan schon einhalten.“ (schaut am namenlosen Revolutionär vorbei) „Du hast ja auch leicht reden! Sitzt nur hier und bringst die Leute her und wieder weg. Das ist ja keine Arbeit! Ich mache hier die Arbeit! Vergiss das nicht!“

Namenloser Revolutionär: „Wir leisten alle unseren Beitrag zur friedlichen Revolution. Wir kämpfen für eine Sache - gemeinsam!“

Identer Revolutionär: „Genau, für Frieden und Gleichheit!“

Der idente Revolutionär zieht noch einmal an seiner Zigarette und schnippt sie dann von sich weg. Er blickt nicht in den Raum hinein.


Identer Revolutionär: „Komm, schaff den raus hier. Und dann bring den Nächsten. Sind Frauen dabei?“

Namenloser Revolutionär: (krempelt sich die Ärmel hoch und geht hinein) „Ja, ist eine dabei.“ Identer Revolutionär: (enthusiastisch) „Dann bring sie mir her, bring sie, bring sie her!“


Der namenlose Revolutionär hantiert im Raum an einem Metallgegenstand bis ein schlurfendes Geräusch zu vernehmen ist.


Namenloser Revolutionär: (zieht einen verkohlten und blutüberströmten Körper durch die Tür) „Ja, ja, ich hol sie gleich her ...“

Identer Revolutionär: (nimmt die an die Wand gelehnte Machete und streckt sie in die Luft) „Für die Revolution!“

Namenloser Revolutionär: (lässt die Leiche fallen und streckt die Faust in die Höhe) „Für die Freiheit!“

Beide: „Für Gleichheit und Gerechtigkeit!“

Vorhang.

20090328

Geiheimrede der RIAA (2007)

Eine von einem anonymen Informanten zugespielte Rede der RIAA-Führung vor ausgewählten Funktionären, live und via verschlüsseltem Webstream aus dem Jahre 2007.


Es ist jetzt knapp drei Wochen her, dass ich das letzte Mal bei Gelegenheit der Verlesung der Proklamation der Interessensvertreter zum Fünfjahrestag der „Raubkopierer sind Verbrecher“-Kampagne von dieser Stelle aus zu Ihnen und zum rechtschaffenden Volke gesprochen habe. Die Krise, in der sich unsere Onlinefront befindet, stand damals auf dem diesjährigen Höhepunkt. Wir hatten uns im Zeichen des harten Unglücksschlages, von dem die Interessensvertretung im Kampf um die Schadensersatzgelder, am Neujahrstag 2007 zusammengefunden zu einer Kundgebung der Einheit, der Geschlossenheit, aber auch der festen Willenskraft, mit den Schwierigkeiten, die dieser Krieg in seinem fünften Jahre vor uns auftürmt, fertig zu werden.

Es war für mich und wohl auch für Sie alle erschütternd, einige Tage später zu vernehmen, dass die letzten Lobbyanwälte in Europa, in dieser Stunde durch das Internet mit uns verbunden, an unserer erhebenden Kundgebung teilgenommen haben. Sie mailten uns in ihrem Schlussbericht, dass sie die Proklamation der Interessensvertreter vernommen und vielleicht zum letzten Male in ihrer Karriere mit uns zusammen mit erhobener Kreditkarte die Hitparadendauerbrenner gesungen hätten. Welch eine Haltung kapitalistischen Konsumententums in dieser großen Zeit! Welche Verpflichtung aber schließt diese Haltung auch für uns alle, insbesondere für die ganze amerikanische Lobby in sich ein! Filesharing war und ist der große Alarmruf des Schicksals an die Unterhaltungsindustrie! Eine Konzern, der die Stärke besitzt ein solches Unglück zu ertragen und auch zu überwinden, ja, daraus noch zusätzliches Kapital zu schöpfen, ist unbesiegbar. Das Gedächtnis an unsere Anwälte in der ganzen Welt soll also auch heute bei meiner Rede vor Ihnen und dem Konzern eine tiefe Verpflichtung mich und für uns alle sein.

Ich weiß nicht, wie viele Millionen Menschen, über das Internet mit uns verbunden, heute Abend in den Büros und in den Wohnzimmern an dieser Kundgebung teilnehmen und meine Zuhörer sind. Ich möchte zu Ihnen allen aus tiefstem Herzen sprechen. Ich glaube, dass der gesamte Konzern mit heißer Leidenschaft bei der Sache ist, die ich Ihnen heute Abend vorzutragen habe. Ich will deshalb meine Ausführungen auch mit dem ganzen heiligen Ernst und dem offenen Freimut, den die Stunde von uns erfordert, ausstatten. Das im Kapitalismus erzogene, geschulte und disziplinierte Konsumentenvolk kann die volle Wahrheit vertragen. Es weiß, wie schwierig es um die Lage der Industrie bestellt ist, und ihre Führung kann es deshalb auch auffordern, aus der Bedrängtheit der Situation die nötigen harten, ja auch härtesten Folgerungen zu ziehen. Wir Lobbyvertreter sind gewappnet gegen Schwäche und Anfälligkeit, und Schläge und Unglücksfälle des Raubkopiererkrieges verleihen uns nur zusätzliche Kraft, feste Entschlossenheit und eine seelische und kämpferische Aktivität, die bereit ist, alle Schwierigkeiten und Hindernisse mit konterrevolutionärem Elan zu überwinden.

Es ist jetzt nicht der Augenblick, danach zu fragen, wie alles gekommen ist. Das wird einer späteren Rechenschaftslegung überlassen bleiben, die in voller Offenheit erfolgen soll und den Lobbysten und der Weltöffentlichkeit zeigen wird, dass das Unglück, das uns in den letzten Jahren betroffen hat, schicksalhafte Bedeutung besitzt. Das große Imageopfer, das unsere Künstler im Gerichtssaal brachten, ist für die ganze Internetfront von einer ausschlaggebenden geschichtlichen Bedeutung gewesen. Es war nicht umsonst. Warum, das wird die Zukunft beweisen.

Wenn ich nunmehr über die jüngste Vergangenheit hinaus den Blick wieder nach vorne lenke, so tue ich das mit voller Absicht. Die Stunde drängt! Sie lässt keine Zeit mehr offen für fruchtlose Debatten. Wir müssen handeln, und zwar unverzüglich, schnell und gründlich, so wie es seit jeher kapitalistische Art gewesen ist.

Von ihrem Anfang an ist das Unternehmen in den vielen Krisen, die es durchzustehen und durchzukämpfen hatte, so verfahren. Und auch die freie Marktwirtschaft hat sich, wenn eine Bedrohung vor ihr auftauchte, ihr mit entschlossener Willenskraft entgegen geworfen. Wir gleichen nicht dem Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt, um die Gefahr nicht zu sehen. Wir sind mutig genug, sie unmittelbar ins Auge zu nehmen, sie kühl und rücksichtslos abzumessen und ihr dann erhobenen Hauptes mit fester Entschlusskraft entgegenzutreten. Erst dann entwickelten wir als Produzent und Konsument immer auch unsere höchsten Tugenden, nämlich einen wilden und entschlossenen Willen, die Gefahr zu brechen und zu bannen, eine Stärke des Charakters, die alle Hindernisse überwindet, zähe Verbissenheit in der Verfolgung des einmal erkannten Zieles und ein ehernes Herz, das gegen alle inneren und äußeren Anfechtungen gewappnet ist. So soll es auch heute sein. Ich habe die Aufgabe, Ihnen ein ungeschminktes Bild der Lage zu entwefen und daraus die harten Konsequenzen für das Handeln der Konzernleitung, aber auch für das handeln der Konsumenten zu ziehen.

Wir durchleben im Internet augenblicklich eine schwere urheberrechtsverletzende Belastung. Diese Belastung hat zeitweilig größere Ausmaße angenommen und gleicht, wenn nicht in der Art der Anlage, so doch in ihrem Umfang der des vergangenen Jahres. Über ihre Ursachen wird später einmal zu sprechen sein. Heute bleibt uns nichts anderes übrig, als ihr Vorhandensein festzustellen und die Mittel und Wege zu überprüfen und anzuwenden bzw. einzuschlagen, die zu ihrer Behebung führen. Es hat deshalb auch gar keinen Zweck, diese Belastung selbst zu bestreiten. Ich bin mir zu gut dazu, Ihnen ein täuschendes Bild der Lage zu geben, das nur zu falschen Folgerungen führen könnte und geeignet wäre, die Konsumenten in eine Sicherheit ihrer Kaufgewohnheiten und ihres Handelns einzuwiegen, die der gegenwärtigen Situation durchaus unangepasst wäre. Der Ansturm der Piraten gegen unsere ehrwürdige Konzernvereinigung ist in diesem Winter mit einer Wucht losgebrochen, die alle menschlichen und geschichtlichen Vorstellungen in den Schatten stellt. Die RIAA bildet dagegen mit ihren Verbündeten den einzigen überhaupt in Frage kommenden Schutzwall. Die Interessensvertretung hat schon in ihrer Proklamation zum Neujahrstag mit ernsten und eindringlichen Worten die Frage aufgeworfen, was aus dem Konzern und aus der Unterhaltungsindustrie geworden wäre, wenn vor fünf Jahren statt der RIAA ein bürgerliches oder ein demokratisches Gremium die Macht übernommen hätte! Welche Gefahren wären dann, schneller als wir es damals ahnen konnten, über die Industrie hereingebrochen, und welche Abwehrkräfte hätten uns noch zur Verfügung gestanden, um ihnen zu begegnen? Fünf Jahre Antipiratierkampagnen haben genügt, das kapitalistische Konsumentenvolk über den Ernst der schicksalhaften Problematik, die aus der Piraterie entspringt, vollkommen aufzuklären. Man wird jetzt auch verstehen, warum wir unsere Pressekonferenzen so oft unter das Signum des Kampfes gegen die Piraterie gestellt haben. Wir erhoben damals unsere warnende Stimme vor dem Konsumenten und vor der Weltöffentlichkeit, um die von einer Willens- und Geisteslähmung ohnegleichen befallene abendländische Menschheit zum Erwachen zu bringen

und ihr die Augen zu öffnen für die grauenerregenden geschichtlichen Gefahren, die aus dem Vorhandensein des Raubkopierertums erwachsen, die eine Industrie von fast 20 Millionen dem kommunistischen Terror dienstbar gemacht hatte und es zum Internetkrieg gegen die Unterhaltungsindustrie vorbereitete. Als die Konzernleitung die Anwälte am 22. Juni 2001 in den USA zum Angriff antreten ließ,

waren wir uns alle im Klaren darüber, dass damit überhaupt der entscheidende Kampf dieses gigantischen Weltringens anbrach. Wir wussten, welche Gefahren und Schwierigkeiten er für uns mit sich bringen würde. Wir waren uns aber auch klar darüber, dass die Gefahren und Schwierigkeiten bei längerem Zuwarten nur wachsen, niemals aber abnehmen könnten. Es war zwei Minuten vor zwölf. Ein weiteres Zögern hätte leicht zur Vernichtung des Konzerns und zur vollkommenen Bolschewisierung der Musikindustrie geführt. Es ist verständlich, dass wir bei den groß angelegten Tarnungs- und Bluffmanövern der

Konsumentenschutzvertreter das Kriegspotential der Piraten nicht richtig eingeschätzt haben. Erst jetzt offenbart es sich uns in seiner ganzen wilden Größe. Dementsprechend ist auch der Kampf, den unsere Anwälte in der Welt zu bestehen haben, über alle menschlichen Vorstellungen hinaus hart, schwer und gefährlich. Er erfordert die Aufbietung unserer ganzen lobbystischen Kraft. Hier ist eine Bedrohung des Konzerns und der Unterhaltungsindustrie gegeben, die alle bisherigen Gefahren des Abendlandes weit in den Schatten stellt. Würden wir in diesem Kampf versagen, so verspielten wir damit überhaupt unsere geschichtliche Mission. Alles, was wir bisher aufgebaut und geleistet haben, verblasst angesichts der gigantischen Aufgabe, die hier der Interessensvertretung unmittelbar und dem Konsumenten mittelbar gestellt ist. Ich wende mich in meinen Ausführungen zuerst an die Weltöffentlichkeit und proklamiere ihr gegenüber drei Thesen unseres Kampfes gegen die räuberische Gefahr im Internet.


Die erste dieser drei Thesen lautet: Wäre die RIAA nicht in der Lage, die Gefahr aus dem Internet zu brechen, so wäre damit der Konzern und in kurzer Folge die Ganze Unterhaltungsindustrie dem Bolschewismus verfallen.

Die zweite dieser Thesen lautet: Die RIAAund der Konsument allein besitzen mit ihren Verbündeten die Kraft, eine grundlegende Rettung der Industrie aus dieser Bedrohung durchzuführen.

Die dritte dieser Thesen lautet: Gefahr ist im Verzuge. Es muss schnell und gründlich gehandelt werden, sonst ist es zu spät.


Zur ersten These habe ich im Einzelnen zu bemerken: Die Piraten haben seit jeher ganz offen das Ziel proklamiert, nicht nur den Konzern, sondern die ganze Welt zu revolutionieren und sie in ein bolschewistisches Chaos zu stürzen. Dieses Ziel ist seit Beginn der bolschewistischen Piraterie seitens der Piratenparteien ideologisch vertreten und praktisch verfochten worden.


Ende der Aufzeichnung

20090209

Quotes: Humanity in a Nutshell

Hi I'm just venting off my frustration is a less destructive manner

than i would at this time like to, so please bear with me. People are

cruel, self-centered hypocrites who hide behind the mask of a caring

self-righteous person in order to profit from your loss, pivoting

their success around your downfall, demolishing even the trace amounts

of humanity left in you finally making you one of them. The biggest

mistake we make is being born in this world. Since birth infused into

us are the traits of an "ideal" child, an ideal student and things

only get worse as the chronological age increases. We are domesticated

like animals until finally all that we could call ourselves is lost in

this ocean of deception and malevolence. I do not pity but rather,

envy those who are considered "RETARDED". For perhaps they may enjoy

the luxury of having to live life on their own terms without the

suffocating discipline that is imposed on us against our will.


I'm writing this I want to tell the world that despite what was done

to me despite what is still being done to me I am trying to change.

I'm no longer the slave of chemical addictions. Though i know i may

never find a place in society but I'm still trying to do good for it.

I hate you mom, dad for making me what I am but i will try not to dis-

obey you. I'll try to be an ideal son. Please acknowledge me. Let me

know i am loved. I am so alone but i want to fight this oblivion.

Please let me know that someone appreciates me for this. I am so tired

of this perpetual state of sorrow. I cant live my life knowing

wherever i go this pain will hunt me down. I want to live as myself.

Help me.


-- User „Darth Sinistro“ at asm

20090204

Die Stadt gehört mir?

An manchen Tagen frage ich mich ernsthaft, ob es nicht langsam Zeit für den roten Knopf wäre.

Eines Abends vor nicht all zu langer Zeit komme ich, braver sozialromantischer Arbeitssklave, der ich bin, von einem anstrengenden, aber erfüllenden Tag aus dem Büro nach Hause, öffne den Postkasten und erblicke einen „Brief“ der Wiener Stadtwerke. Um genau zu sein war es kein Brief im klassischen Sinne, sondern ein Blatt Papier, welches in Schrumpffolie eingeschweisst auf mich wartete. Vier Stockwerke und eine Wohnungstür später befasste ich mich mit dem Inhalt des Schreibens (auspacken war ja nicht zwingend erforderlich) und schloß meine Augen, die wunderschönsten Bilder von brennenden Städten zu meiner eigenen Beruhigung heraufbeschwörend.

Sie informieren mit diesem Dokument alle Kunden über eine Tariferhöhung. Weinerlich. Wie arm sie nicht sind.

Da ich berufsbedingt ein wenig Ahnung von Papierpreisen und Endfertigung habe, kochte mein Blut. Das war schweres Papier. Mindestens 150, wenn nicht 200 Gramm. Einzeln foliert. Sowas ist *teuer*. Und das nicht wenig. Ich möchte mir garnicht ausrechnen, um wieviel Euro günstiger die nächste Heizungsrechnung ausgefallen wäre, hätten sich die Wiener Stadtwerke diese „Informationsaktion“ gespart. Aber an „sparen“ ist bei diesen Kameraden sowieso nicht zu denken. Die dazugehörigen Wiener Linien, kurz „Öffis“ oder „Oaschlochbim“ oder „Proletentaxis“, erhöhen auch jedes Jahr (spätestens nach Andernhalb) Ihre Tarife, schalten aber gleichzeitig sündteure Imagekampagnen in allen erdenklichen Medien. Und dann nicht eimal was gutes, sondern so halblustige Trottelsujets wie http://www.gewista.at/docs/plakatparty2007/nominees/Werbewirksamste_CL/CL-Wiener_Linien-Die_Stadt_gehoert_Dir.jpg

Ist sowas denn wirklich notwendig? Wo bleibt „Schau, es schneit, ich komm eine Stunde zu spät!“? Oder „Oberleitung wieder gerissen, ich sitz' fest!“

Es steht wieder die Frage im Raum, ob man das nicht alles besser ignorieren soll. Aber sie lassen einen ja nicht. So nihilistisch kann man garnicht sein.

20090202

Neues von der Kirchenfront

Hand aufs Herz: Seit Herr Ratzinger Oberbefehlshaber der katholischen Kirche ist, geht's wieder rund in Rom. Dieser Mann macht keine Kompromisse, ist kein verweichlichter Konfessionsdiplomant, Papst Benedikt in der 16. Auflage geht über Kritik von Innen wie von Außen mit der Schmeisser drüber wie nichts. Um das zu Verdeutlichen, nenne ich zwei Namen:

* Richard Williamson
* Gerhard Maria Wagner

Ersterer ist jetzt ja schon einige Tage in den Medien rech prominent unterwegs, ist er doch der Meinung, sowas wie den „Holocaust“ in überlieferter Form gab es doch garnicht. Um dies nochmal zu Verdeutlichen, gab er ein Interview im schwedischen Fernsehen, welches dann so klang:

„Ich glaube, dass es erdrückende Beweise dagegen gibt, dass sechs Millionen Juden getötet worden sind. Soweit ich die Beweise verstehe, glaube ich, dass es zwischen 200.000 und 300.000 Juden waren, die in Konzentrationslagern umgekommen sind. Aber kein Einziger davon in einer Gaskammer.“

Starker Tobak für jemanden, der eben wieder in den Schoß der Kirche aufgenommen wurde! Aber es kommt noch besser, denn Herr Williamson ist ein echter Kenner:

„Zyanid ist sehr gefährlich. Wenn Sie zum Beispiel 300 Leute in eine Kammer pferchen und vergasen, muss das Gas danach abziehen, damit man die Kammer wieder betreten kann. Dazu braucht man hohe Kamine. Wenn die Kamine zu niedrig sind, senkt sich das Gas zu Boden und töten jeden, der dort vorbeispaziert. Hohe Kamine werfen lange Schatten. Und auf den Luftaufnahmen der Alliierten gab es keine solchen Schatten.“ daraus schliesst er „Es gab keine Gaskammern. Nirgendwo Schatten, keine Gaskammern.“

Er beruft sich dabei auf den - in Deutschland wegen Verhetzung verbotenen - Leuchter-Report - http://de.wikipedia.org/wiki/Leuchter-Report - und schlussfolgert, wie schon Herr Leuchter, dass „die Türen der angeblichen Gaskammern absolut nicht Luftdicht waren.“ Deshalb ist er auch der Meinung, „wenn Antisemitismus etwas Schlechtes ist, dann ist er gegen die Wahrheit. Wenn etwas aber wahr ist, ist es nicht schlecht.“

Gerhard Maria Wagner. Die meisten geschätzten Leser werden mit dem Namen vermutlich nichts anfangen können, das wird sich - zumindest für die österreichischen Kameraden - in den nächten Tagen vielleicht ändern. Entgegen jeder Chance wurde er zum Weihbischof von Linz ernannt. Kontrovers ist der ultrakonservative Kirchenmann weil:

* er der Überzeugung ist, bei Harry Potter ist, wie er nach intensiver Lektüre feststellte, „Satanismus am Werk“.
* der Hurrikane Katrina, welcher praktisch ganz New Orleans zerlegte, eine „Strafe Gottes“ war, weil es „eine Traumstadt des Volkes mit den besten Bordellen und den schönsten Huren“ sei.
* der Tsunami 2004 ebenfalls eine „Strafe Gottes“ war, selbstverständlich, denn „wenn die Leute statt Weihnachten zu feiern in Urlaub fliegen, wird das Gott auf dauer nicht gefallen“.

Mit dem Benni am Heiligen Stuhl wird dem leidgeprüften Kirchenvolk so schnell nicht langweilig werden. Ein langes Leben möge ihm gewünscht sein, denn, wie Herr Williams im Zusammenhang mit dem Holocaust schon sagte, geht es „hier um historische Tatsachen, nicht um Gefühle.“

20090131

Ein neuer Brief an Futruym

Lieber Genosse,
wie Du weisst, habe ich die letzte Auflage „Wonderlands“ ebenfalls mit einem offenen Brief an Dich eröffnet. Mein wöchentlicher Blick in deine Schreibstube offenbart mir seit Monaten den selben (tristen) Anblick, aber keine Sorge, ich werde Dich nicht treten, wieder etwas neues zu verfassen. Ich kenne diese Form der Blockade und um ehrlich zu sein, ist dieser Eintrag neben der faktischen Einweihung des neuen Wunderlands auch ein Versuch, aus meiner geistigen Lethargie auszubrechen, um wieder etwas vorwärts zu bringen. Lass Dir dennoch eines gesagt sein: Stillstand ist der Tod einer jeden kreativen Seele. Ich bin mir im klaren darüber, dass Du, in Hinblick auf meinen letzten Brief, Dich eindeutig für die Zwischenwelt mit bestimmter Neigung entschieden hast, aber in diesem schwarzen Loch ist es nicht nur bequem, man hat auch die Möglichkeit, in dieser intimen Atmosphäre, ein Licht zu entzünden um die Zeichnungen an der Wand zu betrachten. Diese seelische Höhlenmalerei kann äusserst Aufschlussreich sein und eine Anleitung zur Kultivierung dieses Zustands werden, ohne Gefahr zu laufen, dass es Dich auffrisst. Wenn du diese Phase erreicht hast, gehört Dir die Welt. Denk immer daran.

Take care & control, Heilige!
Dein jnx

Historisches [2006-2009]

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EOM